Erfahrung oder Ausbeutung?

Zwölf lange Jahre die Schulbank gedrückt, Abitur geschafft und dann endlich den Traum vom Pferde-Aupair im Ausland erfüllen! Nichts leichter als das, dachte sich Fe****da und machte sich im Internet mit dem Angebot verschiedener Agenturen vertraut.

Günstige EUR 280,- Vermittlungsprovision fallen im Erfolgsfall an. Und, ach ja, 19% Mehrwertsteuer kommen noch hinzu. Die EUR 333,- sind doch für eine Abiturientin heutzutage ein Klacks.

Fe****da fand schnell ein interessantes Angebot, bekam nach kurzer Zeit die Zusage. So reiste sie Mitte Dezember nach Irland. Ein englischsprachiges Land sollte es sein, denn das Mädchen wollte auch nach Beendigung der Schule gerne ihr Englisch aufbessern.

Nicht nur Pferde und Hunde tummelten sich auf dem Hof. Auch Spinnen fühlen sich hier wohl.
Nicht nur Pferde und Hunde tummelten sich auf dem Hof. Auch Spinnen fühlen sich hier wohl.

Es ist klar, dass Pferdebesitzer selten in Großstädten wohnen und in Irland ist die Anzahl an Metropolen ohnehin überschaubar. So verschlug es Fe****da in ein Dorf, welches etwa 15 Kilometer von der Stadt Wicklow entfernt liegt. Sie wissen nicht, wo das ist? Die 6.760 Einwohner zählende Stadt liegt etwa eine Autostunde südlich von Dublin. Doch, halt! Pferdehöfe liegen auch nur äußerst selten im Ortskern. Streng genommen befindet sich Fe****das neues zu Hause im Nirwana: etwa 45 Gehminuten vom nächsten kleinen Kolonialwarenladen und vom lokalen Pub entfern

Immerhin bewohnt Fe****da ein eigenes kleines Cottage, hat einen Tag in der Woche frei und bekommt wöchentlich EUR 150,-. Hiervon muss sie sich allerdings Nahrungsmittel und sonstige Gegenstände des täglichen Bedarfs kaufen. Ähm… kaufen? Ohne Auto kann Fe****da keinen Supermarkt erreichen und für sie als Fahranfängerin würde die Versicherung während des 5 -monatigen Auslandsaufenthalt etwa EUR 3.000,- kosten. Da wäre das Taschengeld schon komplett aufgebraucht und sie hätte noch keinen Krümel Brot gegessen, die Anreise nicht finanziert und auch keine Krankenversicherung bezahlt.

Ergo: sie ist dem Wohlwollen der Arbeitgeberin – nennen wir sie Cathrin – ausgeliefert. Diese beschließt in einem schlechten Moment schon mal, den wöchentlichen Supermarktbesuch ausfallen zu lassen, da sie ja schließlich kein Taxiunternehmen sei.

Der Tagesablauf ist mehr oder weniger geregelt, aber manchmal kommen spontan noch Aufgaben für den Sonntag hinzu.

Der Herd im Cottage hat sicher schon bessere Tage gesehen. Da es in der Wohnung aber feucht ist, rostet Metall natürlich auch schnell
Der Herd im Cottage hat sicher schon bessere Tage gesehen. Da es in der Wohnung aber feucht ist, rostet Metall natürlich auch schnell

Vielleicht wird auch eine Nachtschicht zum Geschirrspülen angesetzt, wenn Cathrin Gäste zum Abendessen eingeladen hat. Im Großen und Ganzen ist das Verhältnis zwischen Fe****da und ihrer Arbeitgeberin okay. Die Hausherrin ist tagsüber zum Arbeiten in der Hauptstadt und das Mädchen aus Deutschland alleine für Haus, Hof und Tiere verantwortlich.

Gut, so ganz alleine klappt das mit dem Englisch sprechen doch nicht so gut, wie gedacht. Die Hunde und Pferde haben so einen komischen Akzent… Bei geschätzten 8 Stunden an sechs Arbeitstagen pro Woche gibt es immerhin einen Stundenlohn von etwa EUR 3,13. Dieser ist ja auch nicht zu verachten!

Mehr als erstaunt war Fe****da, als auf der Facebook-Seite des lokalen Jagdclubs Fotos von ihr veröffentlicht wurden und sie sogar für das Profilfoto der Seite ausgewählt wurde. Schade, dass sie nicht informiert, oder sogar gefragt wurde. Persönlichkeitsrechte ade!

Nun sind die fünf Monate fast vorüber und ja, Fe****da hat viele Erfahrungen gemacht. Sie hat gelernt, alleine zu leben und einen kleinen Haushalt zu führen. Einen Urlaub hat sie ohnehin nicht erwartet und ja, es gab auch Wochenenden, an denen sie komplett frei hatte und ja, auch Fe****das Eltern und ihr Freund konnten kostenlos zu Besuch kommen.

Auslandserfahrung oder Ausbeutung? Abschließend kann man sagen, dass viele wertvolle Erfahrungen gemacht wurden. Die Tatsache, dass für wenig Geld viel zu leisten war, ist auch nicht zu leugnen. Mit gemischten Gefühlen freute sich die Jugendliche auf ihre Rückkehr nach Deutschland!